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Was ist ein Boreout?

Als Boreout-Syndrom bezeichnet man ein Zustand ausgesprochener Unterforderung im oder nach dem Arbeitsleben. Boreout wird als paralleles Gegenstück des Burnout-Syndroms charakterisiert, das selbst in einem Burnout münden kann.

Gründe für ein Boreout

Ist ein Arbeitnehmer unterfordert, kann dies verschiedene Ursachen haben: Entweder gibt es mengenmässig zu wenig zu tun (quantitative Unterforderung) oder die zu erledigenden Aufgaben sind monoton, einseitig und anspruchslos (qualitative Unterforderung). In beiden Fällen sind Betroffene nicht angemessen ausgelastet. Langeweile, Unterforderung und Desinteresse an der eigenen Tätigkeit können aber noch nicht mit einem Boreout gleichgesetzt werden: «Entscheidend ist, dass Betroffene mit aller Kraft versuchen, ihre Unterbeschäftigung zu vertuschen.»

Es gibt verschiedene Gründe; Einerseits kann es daran liegen, dass die zu erledigenden Arbeiten monoton, anspruchslos oder eben einseitig sind oder weil es mengenmässig einfach zu wenig zu tun gibt. Auf der anderen Seite tritt das Phänomen gerade auch bei jungen Menschen auf. Einige merken erst nach Abschluss ihrer Ausbildung, dass ihnen das, was sie interessiert hat, in der Praxis nicht gefällt. Das frustriert und kann zu Unterforderung, Desinteresse und Langeweile führen. Besonders betroffen sind aber auch Menschen im dritten Lebensabschnitt (Pensionierung).

Hauptsache niemand merkt etwas

Langeweile, Desinteresse und Unterfoderung alleine sind aber noch nicht die ausschlaggebenden Faktoren für ein «Boreout». Entscheidend ist, dass Betroffene ihre ganze Energie dafür aufwenden, ihre Langeweile, ihr Desinteresse sowie ihre Unterbeschäftigung zu verstecken. So versuchen sie stets beschäftigt zu wirken, berichten ihren Kollegen von einem Berg an Aufgaben, hetzen durch die Gänge, starren auf den Bildschirm, obwohl sie vielleicht gerade damit beschäftigt sind, private E-Mails zu schreiben, Ferien zu buchen oder ihre Timeline auf Facebook im Minutentakt zu refreshen. Oft schieben Betroffene auch Überstunden – nur um ihr Nichtstun zu kaschieren. Das macht müde, ineffizient und antriebslos. Wer jetzt aber denkt, Boreout-Betroffene sind einfach nur faul, liegt weit daneben. Denn wer zu lange in einer solchen Dynamik verharren muss, wird krank.

Die Anzeichen

Sie haben Mühe am Morgen aus dem Bett zu kommen, leiden unter Gedächnisverlust, Schlaf- und Antriebslosigkeit, Niedergeschlagenheit, Kopf- und Magenschmerzen, Schwindelgefühl bishin zur Depression. Dann kommt dazu, dass sie sich nur schwer eingestehen können, dass diese Erschöpfung durch Langeweile ausgelöst wurde. Denn Betroffene wollen eigentlich arbeiten und Leistung zeigen, doch wenn sie bereits in der Boreout-Spirale sind, wird es schwierig, ohne einen Push von Aussen wieder aus rauszukommen.»

Häufig treffen diese Symptome Männer, weil sie sich oft über die Arbeit definieren.

Wege aus dem Boreout

Alarmsignale rechtzeitig wahrnehmen und eine Erkrankung präventiv verhindern. Denn einmal im Boreout angekommen, lassen sich Fehlzeiten für die Erholung und Therapie sowie eventuell eine Kündigung meist nicht mehr vermeiden. Stattdessen sollten Sie wie folgt vorgehen:

Reflektieren Sie sich in regelmäßigen Abständen selbst und hinterfragen Sie Ihre aktuelle Situation: Sind Sie glücklich? Fühlen Sie sich ausgebrannt? Gelangweilt? Krank?

Sollten Sie tatsächlich auf Probleme stoßen, erforschen Sie die Ursachen für Ihr Empfinden.

Entwickeln Sie nun Lösungsstrategien: Mit wem können Sie über das Problem sprechen? Käme eine Fort- oder Weiterbildung infrage? Eine interne Versetzung? Oder eine Kündigung?

Suchen Sie nun das Vieraugengespräch mit Ihrem Vorgesetzten und bitten Sie um mehr Arbeit oder eine andere Lösung gegen die Langeweile.

Sollte sich weder in der Gegenwart noch in der Zukunft eine Verbesserung der Situation abzeichnen, werden Sie hingegen selbst aktiv, bewerben Sie sich intern, kündigen Sie, machen Sie sich selbstständig oder finden Sie einen anderen Ausweg, bevor es zu spät ist. Ihre Gesundheit (aber auch ihre Familie) wird es Ihnen danken!

Sollten Sie allerdings bereits ins Boreout gerutscht sein, müssen Sie die Situation akzeptieren lernen und Maßnahmen zur Genesung ergreifen. Dazu gehört in der Regel eine längere Auszeit vom Beruf in Kombination mit einer Psychotherapie ebenso wie der individuellen Behandlung eventueller körperlicher Beschwerden.

Rentner sollten sich neue Herausforderungen suchen

Bore-out wird zwar vor allem in der Arbeitswelt beobachtet, betrifft aber auch viele Senioren. Lebensqualität im hohen Alter hängt nämlich maßgeblich von dem Gefühl ab, gebraucht zu werden und eine sinnvolle Beschäftigung zu haben.

Eine neue Sprache lernen, noch einmal studieren, ein Ehrenamt übernehmen: Wichtig ist nur, dass eine Aufgabe sinnvoll und herausfordernd ist. Senioren müssen einen Sinn in ihren Tätigkeiten sehen. Deshalb empfiehlt es sich, vorher genau zu überlegen, was einem liegt und wie viel Zeit man in die neue Aufgabe investieren kann und will.

Viele Organisationen helfen bei der Vermittlung von ehrenamtlichen Tätigkeiten – ich empfehle Benevol.