Firmen müssen heute um Lehrlinge werben, und dieser Wettbewerb wird sich noch weiter verschärfen, sofern sich die wirtschaftliche Lage in der Schweiz nicht erheblich verschlechtert. Die Zahlen sprechen für sich. In der Schweiz gibt es bei Firmen zurzeit ungefähr 80’000 Lehrstellen. Ihnen stehen rund 70’000 junge Menschen gegenüber, die sich für diese Art der Ausbildung interessieren.

Seit dem Jahr 2011 öffnet sich die Schere zwischen Angebot und Nachfrage immer weiter. Selbstverständlich präsentiert sich die Lage nicht in allen Wirtschaftssektoren gleich. Im Gesundheitswesen beispielsweise gibt es viel weniger Lehrstellen als Interessenten, im verarbeitenden Gewerbe verhält es sich gerade umgekehrt. Je nach Region unterschiedlich ist auch das Prestige, das ein Beruf bei jungen Menschen geniesst.

Klassischerweise gilt ein Unternehmen dann als erfolgreich, wenn es treue Kunden hat, mit denen hohe Umsätze erzielt werden können. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Doch immer mehr Unternehmern wird bewusst: Der Engpass sind oft nicht mehr die Kunden, sondern die Mitarbeiter. Wer nicht genügend und nicht ausreichend qualifizierte Mitarbeitende findet, kann sehr schnell nicht mehr alle Kundenwünsche befriedigen.

Im Zuge der demografischen Entwicklung und der durch Digitalisierung und Globalisierung steigenden Anforderungen an das Personal wird es für Unternehmen immer schwieriger, das geeignete Personal zu finden. Tendenz: Die Mitarbeiter suchen sich das Unternehmen aus und nicht mehr das Unternehmen die Mitarbeitenden.

Die Personalverantwortlichen sind sich der Entwicklung bewusst und suchen nach Massnahmen, um den härter werdenden Kampf um Talente gewinnen zu können. Dabei gewinnt das Employer Branding immer mehr an Bedeutung. Der US-Internet-Konzern Google gilt als Vorreiter, der früh daran gefeilt hat, sich auch als Arbeitgeber-Marke zu positionieren. Bei einer Umfrage der Unternehmensberatung Universum unter Schweizer Studenten zeigte sich: In fast allen Fachrichtungen gilt Google als der beliebteste Arbeitgeber.

Unternehmen, die neuen Spielregeln auf dem Arbeitsmarkt nicht beherrschen, können schnell abgehängt werden. Die Talente wollen zu den erfolgreichen Unternehmen. Erfolgreich wird ein Unternehmen dauerhaft aber nur sein, wenn es an Talente kommt. Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer würde heute nicht mehr zu einer schwachen Arbeitgebermarke wechseln, hat das Portal LinkedIn in einer Studie herausgefunden, die Ende 2015 veröffentlicht wurde. Weitere 21 Prozent können sich den Wechsel zu einer schwachen Arbeitgebermarke zwar vorstellen, jedoch würden sie sich die geringere Reputation mit einem Gehaltsaufschlag von mindestens zehn Prozent bezahlen lassen. Fazit der Studie: Der Verzicht auf ein Employer-Branding kann teuer werden. Für Unternehmen wird die Frage, was einen guten Arbeitgeber ausmacht, damit zu einem relevanteren Faktor im Wettbewerb.